A mother praises her child
  • Susi

  • Veröffentlicht am

    März 8, 2022

  • Lesedauer

    5 Minuten

Gut gemacht! Haben Sie Ihr Kind heute schon gelobt?

Fachberatung Leitfaden für Eltern

„Loben (lt. Duden): jemanden, sein Tun, Verhalten o. Ä. mit anerkennenden Worten (als Ermunterung, Bestätigung o. Ä.) positiv beurteilen und damit seiner Zufriedenheit, Freude o. Ä. Ausdruck geben.“

Der Duden nennt dazu auch Beispiele:

  • – jemanden, jemandes Leistung loben
  • – jemanden öffentlich, uneingeschränkt, überschwänglich loben
  • – der Lehrer lobte die Schülerin [für ihre gute Arbeit, wegen ihres Fleißes]
  • – etwas lobend erwähnen

Wenn wir jemanden loben, drücken wir also unsere Anerkennung aus. Als Erwachsene wissen wir, dass ein Lob – zum Beispiel vom Chef oder Kunden – überaus motivierend wirken kann und uns zu noch mehr guter Leistung anspornt. Aber wir wissen auch: Das Lob muss ehrlich gemeint sein! Sofort spüren wir, wenn etwas nur so „dahergesagt“ wird. Und wir wissen auch: Je konkreter das Lob, umso besser können wir damit beim nächsten Projekt wieder das Beste herausholen. 

Als Eltern erleben wir sehr früh, dass ein Lob natürlich auch unser Kind motiviert, weiter zu üben und Neues zu lernen. Ein großes „Bravo“ und Applaus von der ganzen Familie, wenn das erste Mal das Töpfchen benutzt wird, ist sicher ein Höhepunkt im Kleinkindalter. Was aber, wenn das Lob sich irgendwann „abnutzt“ oder – schlimmer noch – als ständige Herausforderung für noch mehr Leistung vom Kind als Stress oder unüberwindbare Hürde erlebt wird?

Loben ja, aber auf das richtige Maß kommt es an

Es gibt Eltern, die bejubeln ihr Kind für jedes kleine Bildchen, für jedes neu gelernte Wort, für jede aufgegessene Mahlzeit. Am Anfang ist dies sicher eine gute Methode, um das Kind weiter zu motivieren und klar zu signalisieren: Das hast du gut gemacht – weiter so! Aber irgendwann hat ein Kind dazugelernt und merkt, dass dieses Lob „schal“ wird … es wirkt nicht mehr als Motivation, sondern als unecht. Darum ist es wichtig, ein Lob auch nur für Dinge einzusetzen, die „lobenswert“ sind.  

Hierzu wurde eine interessante Studie durchgeführt, die untersuchte, ob zu viel Lob Kinder bestärken oder eher zu viel Druck aufbauen würde. Die Annahme war, dass durch übertriebenes Lob ein so hoher Erwartungsdruck aufgebaut wird, dass Kinder Angst bekämen, beim nächsten Mal nicht mehr genauso gut sein zu können. 

Fazit dieser Untersuchung war: Je nachdem, wie selbstbewusst die Kinder waren, wirkte übertriebenes Lob unterschiedlich. Kinder mit niedrigem Selbstwertgefühl trauten sich anschließend nicht mehr so viel zu – sie befürchteten, nicht noch einmal eine so tolle Leistung erbringen zu können. Wurden diese Kinder allerdings gar nicht oder angemessen gelobt, nahmen sie neue Herausforderungen freudig an. Bei Kindern mit einem hohen Selbstwertgefühl spielte die Art des Lobs übrigens keine Rolle für die nächste Aufgabe. Aber welches kleine Kind strotzt schon vor Selbstsicherheit? 

Wenn Kinder für jede Kleinigkeit gelobt werden, kann es sein, dass sie auch als Erwachsene immer auf das Lob von anderen angewiesen sind – sie wertschätzen ihre eigene Leistung nicht und gehen unsicher durchs Leben. Ziel ist es also, dass Kinder auch selbst stolz auf ihre Leistung sind und nicht immer andere fragen müssen „War das gut so?“.

Darum gilt: Lob muss angemessen sein, damit es als Motivator nutzt.

Jetzt aber mal ehrlich!

Schon die kleinsten Kinder haben ein sicheres Gespür dafür, ob ein Lob von Herzen kommt und ehrlich gemeint ist. Ein beiläufiges „Schönes Bild!“, während man auf das Handy schaut oder sich gerade mit anderen unterhält, ist kein ehrliches Lob. Aber wie macht man es richtig? Hier sind die drei goldenen Regeln für ein gutes Kinder-Lob (gilt übrigens auch für Erwachsene):

Lob-Regel Nr. 1: konkret loben

„Toll!“, „Super!“, „Klasse!“ sind Ausdruck von Begeisterung – aber kein Lob. Damit kann kein Kind etwas anfangen. Auch „Tolles Bild!“ ist noch zu unkonkret. Versuchen Sie, genauer zu definieren, was Ihnen gefällt. Zum Beispiel: „Du hast aber schöne Farben ausgesucht!“ oder „Du hast unsere Familie richtig fröhlich gemalt!“ sind klare und nachvollziehbare Komplimente. Das wirkt und regt das Kind an, in dieser Richtung weiterzumachen. 

Lob-Regel Nr. 2: Leistung loben

„Du siehst aber heute hübsch aus!“ ist eine Feststellung – und kein Lob. „Du hast dir aber heute wirklich Mühe gegeben, das hübscheste Kleid auszuwählen“, das ist ein gutes „Anstrengungslob“. Gerade dieses Beispiel zeigt auch: Lobt man Dinge, für die das Kind nicht verantwortlich ist – wie z. B. gutes Aussehen oder Intelligenz – kann das geschlechtsspezifische Denkweisen hervorrufen. Besser ist also immer, persönliche Leistung hervorzuheben wie: „Da hast du aber eine schlaue Lösung für die Aufgabe gefunden“. 

Lob-Regel Nr. 3: nicht vergleichen

„Das kannst du ja schon viel besser als das Nachbarskind“ oder „Du bist schlauer als dein Bruder“ sind als sogenanntes „Vergleichslob“ nicht dazu geeignet, ein Kind zu weiteren Dingen zu motivieren. Im Gegenteil: Dies suggeriert den Kindern eher das Gefühl, dass es richtiger ist, immer noch besser zu sein als andere anstatt die Aufgabe tatsächlich zu bewältigen. 

Selbstständigkeit will gelernt sein

„Die entscheidenden Lernprozesse geschehen dadurch, dass man sie als eigene Erfahrung machen konnte“, sagt der bekannte Göttinger Hirnforscher Professor Gerald Hüther. Darum ist es wichtig, durch Lob und Ermutigung Impulse für ein selbstständiges Problemlösen zu setzen. Hier darf man aber nicht zu schnell die Geduld verlieren – geben Sie Ihrem Kind Zeit und Raum, um selber zu experimentieren und Schritt für Schritt selbst zu lernen. Dann kann das Kind am Ende wirklich stolz auf sich sein. Und das ist dann auch ein dickes Lob (und ein Küsschen!) wert!

Was bewirkt ein gutes Lob?

Ein richtiges Lob zur richtigen Zeit gibt Kraft und Vertrauen. Kraft, den Weg weiterzugehen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es bestärkt Kinder darin, selbstständige Entscheidungen zu treffen (welche Malfarbe nehme ich?) und selbstbewusst seinen Platz in der sozialen Gemeinschaft zu finden (was kann ich besonders gut). Ein gutes Lob macht stolz und motiviert, immer wieder mit Freude an neue Aufgaben heranzugehen.

So geht es richtig: Beispiele für schlechte und bessere Lob-Sätze

  1. statt „Du warst artig“ lieber „Du warst gerade sehr geduldig“
  2. statt „Du bist lieb“ lieber „Dass du den Keks geteilt hast, war eine liebe Geste“
  3. statt „Du bist schlau“ lieber „Die Aufgabe hast du gut gelöst“

Und noch ein Tipp: Ein Kleinkind braucht ein anderes Lob als ein Schulkind oder ein Teenager. Kleine Kinder sollten öfter während einer Beschäftigung durch Lob motiviert werden, genauso wichtig ist das Lob direkt am Ende. Ältere Kinder kann man auch später noch für eine gute Leistung loben.

Zum guten Schluss

Bei allen wohlgemeinten Lobeshymnen gilt jedoch eines: Zuwendung ist das beste Lob. Darum sagen Sie Ihrem Kind so oft es geht diese drei wichtigen Sätze:  

Ich bin stolz auf dich. Ich hab dich lieb. Ich vertraue dir.

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