Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
  • Susi

  • Veröffentlicht am

    Februar 22, 2022

  • Lesedauer

    5 Minuten

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Fachberatung

Kindern brauchen Routinen – so früh wie möglich

Sie putzen sich jeden Tag die Zähne. Sie machen regelmäßig Sport. Sie essen morgens ein gesundes Müsli. Das ist für Sie selbstverständlich! Aber ist Ihnen bewusst, dass Sie all diese guten Gewohnheiten erst einmal lernen mussten? Im Gegensatz zu Ihrer Persönlichkeit, die Sie von Geburt an bekommen haben, besteht ein Großteil unseres Lebens aus Routinen. Und das ist auch gut so! Denn weil wir uns diese Routinen als kleines Kind durch stetige Wiederholungen angeeignet haben, haben wir später mehr Zeit und Energie für Neues oder für die überraschenden Herausforderungen des Lebens.

Spätestens wenn ein Kind in die Kita kommt, wird es viele Routinen lernen müssen, um im Alltag und in der Kita-Gruppe seinen Platz zu finden. Durfte es vorher immer so lange schlafen, wie es wollte, so gilt nun: früh aufstehen, sich waschen und anziehen, frühstücken und pünktlich in der Kita ankommen. Was für eine Umstellung! Und auch in der Kita gibt es Abläufe, an die sich jeder und jede halten muss.

 

Je früher, umso besser

Je früher ein Kind lernt, Routinen zu erkennen und selbständig zu befolgen, umso eher ist es für neue Lernaufgaben gewappnet. Hier sind im ersten Schritt – noch vor dem Besuch der Kita – die Eltern gefragt. Sie sollten den Kindern festgelegte Aufgaben und Abläufe beibringen und gemeinsam mit ihnen üben. Das beginnt mit einem regelmäßigen Tagesablauf (aufstehen, Mittagsschlaf, Zubettgehen), einem geregelten Essen (frühstücken, warm mittagessen, gemeinsames Abendessen mit der Familie) und auch mit festen Abläufen beim Spielen (Spiel auswählen, zu Ende spielen, aufräumen).

Doch wie gelingt es Eltern, diese Routinen zu etablieren? „Gewohnheiten sind Verhaltensweisen, die durch Wiederholen derselben oder ähnlicher Handlungen erworben werden“, so die Definition. Das Gute an Routinen ist: Sie geben dem Kind Sicherheit. Das Kind kann sich darauf verlassen, dass bestimmte Abläufe eingehalten werden – und das verschafft ihm ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Darum lieben die meisten Kinder Routinen und beharren sogar manchmal darauf, dass alle Familienmitglieder sie einhalten!

Dies ist auch schon der zweite wesentliche Aspekt von Routinen. Sie leben vom guten Beispiel! Wenn die größeren Geschwister schon einen festgelegten Tagesrhythmus haben, passt sich ein kleines Kind diesem gern an und eifert ihm nach. Das heißt auch, dass die Eltern und die Geschwister sich bewusst sind, wer welche Aufgaben zu erledigen hat und dass die Erledigung dieser Aufgaben auch wertgeschätzt wird. „Deck jetzt den Tisch!“, kann zu allabendlichen Auseinandersetzungen führen. Die Routine „Deine Aufgabe ist es, jeden Tag den Tisch zu decken“ schafft jedoch klare Anleitungen und fördert ein selbständiges Handeln.

 

Routinen schaffen Selbstbewusstsein

Leider wissen die Erwachsenen aber auch: Es gibt schlechte Routinen und Gewohnheiten, die nur schwer wieder zu verändern sind. Zum Beispiel lieber auf dem Sofa zu sitzen anstatt Sport zu machen. Oder sich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit Fastfood zu „belohnen“. Macht man sich klar, dass man auch diese schlechten Routinen irgendwann einmal gelernt hat, versteht man, dass es besonders wichtig ist, von Anfang an genau hinzuschauen, welche Routinen sein Kind lernen soll.

 

So lernen Kinder gute Gewohnheiten

  1. Fangen Sie früh an: Je nach Entwicklung des Kindes gibt es immer etwas zu lernen
  1. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Denn Kinder lernen durch Beobachtung und schauen Ihnen genau zu
  1. Legen Sie klare Regeln fest, die das Kind verstehen und nachvollziehen kann
  1. Belohnen Sie gute Routinen durch eine Umarmung – nicht über materielle Zuwendung (Kuss statt Schokolade)
  1. Lassen Sie Ihr Kind mitentscheiden, wenn es möglich ist
  1. Erwarten Sie nicht zu viel – Routinen brauchen Zeit

 

Auch gutes Sozialverhalten will gelernt sein

Ein Kind, das mit anderen gut auskommt, hat es nachweislich leichter im Leben. Dazu gehören auch entsprechende Umgangsformen – sie sind ebenfalls eine Art von täglicher Routine! Schon die Kleinsten lernen, dass ein Lächeln zu einem freundlichen Gesicht beim Gegenüber führt. Mit den ersten Worten kommen schnell auch Höflichkeitsformeln wie „Bitte, Danke, Guten Tag, Entschuldigung“ hinzu. Hier lohnt es sich, von Anfang an ein gutes Sozialverhalten zu üben. Die positive Reaktion der Umgebung wird als Belohnung schnell vom Kind akzeptiert.

Erwarten Sie aber nicht, dass Ihr Kind der Inbegriff guter Gewohnheiten und guter Routinen wird. Denken Sie daran, dass Ihr Kind noch klein ist und Fehler macht. Seien Sie geduldig und wenn sie etwas tun, was noch nicht passt, sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber.

Gute und gesunde Gewohnheiten bringen Vorteile für das ganze weitere Leben. Als Eltern können Sie Ihre Kinder ermutigen, sich gute Routinen, soziale Fähigkeiten und Umgangsformen anzugewöhnen. Dafür braucht es Zeit und Geduld und vor allem ein gutes Vorbild in der Familie.

 

Wie die Kitas von Routinen profitieren

Was für das Zuhause gilt, ist natürlich auch in der Kita von großem Vorteil. Durch mehr oder weniger strenge Routinen lernen die Kinder, sich der Gruppe und dem Kita-Ablauf anzupassen. Das ist wichtig, denn viele Routinen haben auch mit der Sicherheit aller zu tun. Das Händewaschen ist dabei nur eines von vielen Dingen, die auch die Kleinsten schnell lernen müssen – denn hier lauern viele Krankheitskeime. Die Definition von festen Räumen und Zeiten für verschiedene Tätigkeiten wie Mittagessen, draußen spielen oder malen muss so früh wie möglich anschaulich vermittelt werden, um Unfälle oder Verletzungen zu vermeiden.

Auch die Erziehung zu einem geregelten und umsichtigen Verhalten in der Gruppe gehört zu einer positiven Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen, dazu. Das Erlernen der wichtigen Kita-Regeln und Abläufe erfordert von den Betreuenden viel Zeit und Geduld, denn nicht jedes Kind möchte sofort alle Vorgaben beachten oder hat einfach noch keine Lust, sich auf die Routinen einzulassen. Verbote sind da meist keine Lösung, besser ist es, gute Verhaltensregeln zu vermitteln (siehe hierzu auch unseren Artikel „Verhaltensregeln statt Verbote: So bringen Sie endlich Ruhe in den Kita-Alltag“Link setzen.

 

Und noch ein Tipp zum Schluss:

Nobody’s perfect – niemand ist perfekt! Eltern nicht, Betreuende nicht und Kinder erst recht nicht. Es ist auch mal erlaubt, aus der Routine auszubrechen – manchmal kann das sogar richtig Spaß machen. Mal am Sonntag richtig ausschlafen? Prima! Oder was „Ungesundes“ essen? Klasse! Oder mal ohne Zähneputzen ins Bett? Davon geht die Welt nicht unter. Wichtig ist nur, dass man danach wieder zu seinen gesunden Routinen zurückkommt.

Link kopieren