3 babies are eating their healthy meals
  • Jasmin

  • Veröffentlicht am

    Januar 18, 2022

  • Lesedauer

    7 Minuten

8 Tipps für die Ernährungsbildung in der Kita

Fachberatung Leitlinien für die Früherziehung

Kinder lernen jeden Tag etwas Neues. Sie spielen, üben, probieren und testen ihre Kräfte und Grenzen aus. Auch bei der Ernährung kommen diese Methoden zum Einsatz, um das Thema „Essen“ auf kindliche Art zu erforschen. Manches klappt auf Anhieb, manches braucht Zeit, manches mag ein Kind einfach nicht. Darum ist die zielorientierte, kindgerechte Ernährungsbildung zu Hause und in der Kita besonders wichtig auf dem Weg in ein gesundes Leben.

Gesunde Ernährung fängt in der Familie an – durch das gemeinsame Essen, vorbildhaftes Verhalten und nicht zuletzt auch die Erziehung zu „guten Tischmanieren“. 

Wenn die Kinder in die Kita gehen, beginnt meist ein neuer Lebensabschnitt für alle Beteiligten – auch beim Essen. Plötzlich sind da mehrere Kinder am Tisch, die nicht alle das Gleiche mögen, es gibt viel Ablenkung beim Essen und die Pausenzeiten sind fest geregelt. Damit diese wichtige Zeit für jedes Kind und auch die Betreuer und Betreuerinnen zu einem entspannten Erlebnis wird, haben wir hier einige Tipps zusammengestellt. 

 

1. Gesunde, nahrhafte und ausgewogene Ernährung

Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle für die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes. Kinder benötigen eine ausgewogene Mischkost. Mindestens einmal am Tag sollte es eine warme Mahlzeit geben. Hauptbestandteil dieser Mahlzeit sollten Kartoffeln, Reis oder Nudeln mit Gemüse, Hülsenfrüchten oder Salat sein. Maximal zweimal pro Woche sollte ein Kind Fleisch essen, einmal pro Woche Fisch.

Es sollten drei Mahlzeiten – Frühstück, Mittagessen und Abendessen – sowie mindestens zwei Zwischenmahlzeiten über den Tag verteilt angeboten werden. Dazu gibt es Wasser oder Tees. Als gesunde Snacks können Vollkorn-Keks, salzarme Brotsorten oder Obst angeboten werden.

Unser Tipp: Wichtig ist ein abwechslungsreicher Speiseplan, um es nicht zu einem Mangel an Nährstoffen kommen zu lassen. Professionelle Verpflegungsdienstleister kennen sich aus und bieten entsprechende Speiseplanungen für Kitas an.

 

2. Rituale machen Appetit

Kinder wollen nicht allein essen. Die meisten Kinder sitzen gern gemeinsam an einem Tisch, um zu essen. Schaffen Sie in Ihrer Kita einen festen Essplatz, der möglichst nicht auch zum Spielen genutzt wird. Hier sollte es ruhiger sein, es sollte nicht zu viel Ablenkung geben. Etablieren Sie gemeinsame Routinen vor, während und nach dem Essen. 

Das beginnt schon beim Tischdecken, das viele motorische Fähigkeiten vermittelt. Dann erst mal Händewaschen, danach ein gemeinsames Lied oder Gedicht (z. B. „Piep piep piep, wir haben uns alle lieb, piep piep piep, guten Appetit!“ mit Handhalten), und zum Abschluss noch einmal ein „Dankeschön“ für das leckere Essen. Auch das gemeinsame Abräumen des Esstisches gehört dazu – natürlich im Rahmen der kindlichen Fähigkeiten.

Vermitteln Sie diese Routinen auch an die Eltern, damit sie in der Familie ebenso gepflegt werden können. 

Wichtig: Die Rolle der Kinderbetreuer bei der gesunden Ernährung ist nicht zu unterschätzen, da viele Kinder die meisten ihrer Mahlzeiten in der Kita einnehmen und dies somit den größten Teil der Nahrungsaufnahme ausmacht!

 

3. Mitmachen macht Spaß

Wer sein Mittagessen selbst aussucht, mag es auch lieber essen und lernt, seine Mahlzeiten zu genießen. Wenn möglich, können Kitas eine Basismahlzeit anbieten, z. B. Nudeln, Reis oder Kartoffeln, und die Kinder wählen gemeinsam mit den Betreuerinnen und Betreuern weitere Zutaten dazu wie Soßen, Gemüse, Käse oder frische Kräuter.

Auch bei der Zwischenmahlzeit können Alternativen angeboten werden, z. B. auf einem großen Obst- oder Gemüseteller. 

Noch spannender wird es, wenn Kinder bei der Zubereitung des Essens und sogar bei der Herstellung von Nahrungsmitteln teilhaben können. Das Gärtnern in Hochbeeten bietet zum Beispiel viele Möglichkeiten, Salat, Gemüse und Kräuter selbst heranzuziehen, zu ernten und zu verarbeiten. Oder Sie gehen zusammen Beeren pflücken, Milch beim Bauern holen oder auch im Biomarkt einkaufen. Mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen können Kinder sogar beim Pürieren von Obst oder beim Schneiden von Gemüse helfen. 

All das macht Appetit und bietet viel Spaß und Abwechslung … und so ganz nebenher werden die Kinder an gesunde Ernährung herangeführt.

Aus der Praxis: Dieser Ansatz eignet sich auch schon für kleine Kinder, die ihre Vorlieben schnell ändern und so ihre Ernährung spielerisch selbst in die Hand nehmen können.

 

4. Das Auge isst mit!

Erst einmal ahmen Kinder das Essverhalten der Erwachsenen, aber auch anderer Kinder gern nach. Wer mit gutem Ernährungs-Beispiel vorangeht, dem folgen die Kinder meist nach. Hier können auch die Kita-Betreuerinnen und Betreuer gute Vorbilder sein, indem sie gemeinsam mit den Kids unterschiedliche Lebensmittel probieren, den Geschmack beschreiben, vielleicht auch mal ein Bild malen lassen. 

Im Internet findet man auch viele Ideen, wie man Lebensmittel spielerisch verwandelt. So wird aus einem halbierten Apfel mit vier Weintrauben-Rädern ein tolles Auto, aus Möhren werden Mondraketen und aus ausgestochenen Broten Sternenhimmel. 

Kinder haben ab und zu keine Lust, neues Obst oder Gemüse zu probieren – das liegt oft am ungewohnten „mouth-feeling“, der Konsistenz der Speisen. Abhilfe können Säfte und Smoothies – auch in Form von Eis – sein, die langsam an den neuen Geschmack heranführen, bevor es an die Verkostung der „echten“ Lebensmittel geht.

Unser Tipp: Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf – und inspirieren Sie die Kita-Kids zur Beschäftigung mit ihrem Essen!

 

5. „No-Gos“ bei der Ernährungserziehung

Viele Kinder haben Spaß beim und am Essen. Manche Kinder aber können sehr wählerisch sein – um nicht zu sagen „schwierig“. Man kann ihnen nichts recht machen, sie ändern ihr Lieblingsessen von einem Tag auf den anderen, sie lehnen neue Lebensmittel vehement ab. 

Die gute Nachricht zuerst: Auch das Ernährungsverhalten entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt. Bleiben Sie geduldig. Vertrauen Sie darauf, dass sich das gesunde Essverhalten langfristig durchsetzen wird, wenn Sie am Ball bleiben. Wenn mal etwas gar nicht schmeckt, versuchen Sie es später wieder … vielleicht klappt es erst nicht schon beim zweiten, aber dann beim zehnten Mal. 

Das sollten Sie beachten:

  • Geben Sie anfangs nur eine kleine Portion auf den Teller. Wenn das Kind mehr möchte, darf es nachnehmen. Mit der Zeit wird es lernen, wie viel es braucht, um satt zu sein. Zwingen Sie das Kind nicht aufzuessen – Reste auf dem Teller sind o.k.
  • Wenn Kinder beim Essen gern im Mittelpunkt stehen und darum „Theater“ machen, reagieren Sie entspannt. Beziehen Sie andere Kinder mit ein und etablieren sie ein möglichst ruhiges Miteinander.
  • Lebensmittel eignen sich nicht als Erziehungsmittel – sie sollten nicht als Belohnung oder gar Bestrafung eingesetzt werden. Sonst kann es passieren, dass Lebensmittel und Emotionen zu eng verknüpft werden – es können Stress-, Frust- oder Langeweile-Esser daraus werden. 
  • Kleine Kinder haben oft Angst vor neuen Lebensmitteln – erwarten Sie also nicht, dass Ihre Kinder sofort begeistert sind, wenn sie ein neues Essen probieren sollen. Beharrlichkeit hilft auch hier – aber zwingen Sie die Kinder zu nichts. 
  • Vermeiden Sie Worte wie »gesund« und »Ernährung« – denn oft wird gesund mit „schmeckt nicht“ assoziiert. Stellen Sie lieber den leckeren Geschmack des Essens in den Vordergrund.

Übrigens: Kinder in der Wachstumsphase haben manchmal sehr großen oder auch keinen Hunger. Das ist normal und kein Grund zur Sorge!

 

6. Nichts muss – alles kann!

Ein gesundes Ernährungsverhalten entsteht nicht von jetzt auf gleich – es erfordert ständige Fortschritte, wohlwollende Unterstützung und stets neue Erkenntnisse. Doch je früher ein Kind lernt, dass Essen etwas Lebensnotwendiges ist, das zudem auch noch Spaß und Gesundheit bringt, umso leichter wird auch dem Jugendlichen und Erwachsenen eine ausgewogene Ernährung im späteren Leben fallen. 

Kita-Leitung, Erzieher oder Eltern sollten darum die frühe Ernährungsbildung besonders fördern. Nur durch konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten kann hier die Grundlage für Gesundheit und Lebensfreude schon in den ersten Jahren geschaffen werden. 

Sprechen Sie schon früh mit den Kindern über Ernährung und beziehen sie sie von Anfang an in die Beschaffung, Zubereitung und den gemeinsamen Genuss ein – nur so lernen schon die Kleinsten, dass Essen ein wichtiges Thema ist.

 

7. Beachten Sie aber vor allem eines:

Essen bedeutet ja nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern es ist Ausdruck eines sozialen Miteinanders! Hier trifft sich die Familie, hier sitzen Freunde zusammen, hier lernen Kinder die Gemeinschaft kennen. Trotz aller kulturellen Unterschiede in der Ernährung, bringt das gemeinsame Essen doch alle Menschen an einen Tisch. Und das ist doch das Wichtigste, was Kinder lernen können!

 

8. Zum guten Schluss: Die „Bremer Checkliste“ gibt sichere Orientierung 

Lt. Empfehlung der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung dient die „Bremer Checkliste“ Kindertagesstätten als Orientierung für die Gestaltung des

Wochenspeiseplans und des täglichen Mittagessens (3-Sterne-Essen). Sie beruht auf den Empfehlungen der Optimierten Mischkost des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund und zeichnet sich durch besonderen Praxisbezug aus.

Ein ausgewogener Wochenspeiseplan in einer Kindertagesstätte ist leicht zu erreichen, hält man sich an folgende Regeln:

  • Innerhalb einer Woche ein qualitativ hochwertiges Fleischgericht, ein Eintopf oder Auflaufgericht, ein vegetarisches Vollwertgericht. ein Seefischgericht und ein Wunschessen der Kinder 
  • Außerdem sollte es zwei- bis dreimal frisches Obst als Nachtisch geben, zwei- bis dreimal Rohkost oder frischen Salat und mindestens zweimal frische Kartoffeln.
  • Die Speisen sollten hauptsächlich aus pflanzlichen Nahrungsmitteln bestehen, also aus Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Getreide.
  • Die Gerichte sollten sich innerhalb von vier bis fünf Wochen nicht wiederholen.
  • Die Gerichte sollten insgesamt nur höchstens drei Stunden warmgehalten werden, Gemüse und Gemüsegerichte möglichst nicht länger als eine Stunde.
  • Frittiertes, Paniertes, Fisch mit Gräten und fettes Fleisch sollten ebenso wie zu viel Salz und scharfe Gewürze vermieden werden.
  • Warm gehaltene Speisen sollten durch Rohkost, Obst, Obstsäfte und frische Kräuter ergänzt werden.
  • Reis, Nudeln und Brot sollten möglichst aus Vollkorn sein.
  • Mindestens zweimal die Woche sollte es frisches Obst, Rohkost oder frischen Salat und Kartoffeln geben.

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